Papier selber schöpfen – Meine Tipps & Tricks

Endlich habe auch ich mich ans Papier Schöpfen getraut! Nachdem ich bereits im Juni die Plakate nach unserer Nachhaltigkeitswoche wieder abgehängt und aufbewahrt hatte und Mitte August ein Sieb gebaut habe, kam ich es nun endlich dazu, das Papierschöpfen einmal auszuprobieren. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht und würde es auch jederzeit wieder machen. Da es online schon unendlich viele Anleitungen zum Papierschöpfen gibt, möchte ich euch die Schritte nur sporadisch skizzieren und eher auf meine Erfahrungen beim ersten Mal Schöpfen eingehen und mit euch meine Tipps und Tricks teilen.

1. Was benötige ich zum Papierschöpfen?

Ihr braucht dafür auf jeden Fall Altpapier und einen Schöpfrahmen mit Sieb! Beim Papier achtet ihr am besten darauf, ein unbeschichtetes, mattes Papier zu nutzen, denn dieses weicht besser ein. Möglich ist z.B. Zeitungspapier, ganz normales Druckerpapier oder auch alte Buchseiten. Ich habe dazu die Plakate und Flyer der Nachhaltigkeitswoche verwendet, welche auf 100 % Recycling-Papier und sogar mit ökologischer Farbe bedruckt waren. Hier habe ich besonders darauf geachtet, dass ich alle Überreste von Klebeband, mit denen wir die Plakate aufgehängt hatten, entferne.

Meiner Erfahrung nach benötigt man ungefähr doppelt so viel Papier-„Input“ wie „Output“. D.h. wenn ihr 5 A4-Blätter Papier schöpfen möchtet, empfehle ich euch, etwa 10 A4-Blätter Altpapier einzuweichen.

Meinen Schöpfrahmen habe ich mir selbst aus alten Hölzern und einem Reststück engmaschigem Drahtgitter gebaut. Dazu habe ich die vier Hölzer so zugesägt, dass sie innen der Größe eines A4-Blattes entsprachen. Zusammengebaut habe ich den Rahmen mit vier Schrauben, welche jeweils zwei Hölzer verbinden. Das Drahtgitter habe ich mit einem Handtacker angebracht. Eine einfachere Variante wäre es, z.B. einen alten Bilderrahmen zu nutzen und ihn auf einer Seite ebenfalls mit Drahtgitter oder Fliegengitter zu bespannen.

Außerdem benötigt ihr noch eine etwas größere Wanne, ich habe ich einfach eine Wäschewanne genutzt, zudem noch einige Liter warmes Wasser und einen Pürierstab. Ihr könnt euch darauf einstellen, dass ihr recht viele Handtücher und Lappen benötigen werdet, um das Wasser aus dem Papier zu pressen.

Und hier das Ganze nochmal zusammengefasst als Liste:

  • Altpapier
  • ein Schöpfsieb
  • eine große Wanne
  • warmes Wasser
  • einen Pürierstab
  • viele Handtücher und Lappen

2. Los geht’s! So wird Papier geschöpft

  1. Ihr zerreißt das Papier in mittelgroße Stücke und gebt diese in die Wanne. Anschließend füllt ihr einige Liter warmes Wasser in die Wanne, sodass das gesamte Papier mit Wasser bedeckt ist. Lieber hier mehr Wasser nutzen, als zu wenig!
  2. Lasst das Papier für ca. eine Stunde im Wasser einweichen.
  3. Anschließend püriert ihr das Papier im Wasser mit dem Pürierstab zu einer feinen Masse. Die sogenannte Pulpe sollte wirklich schön dünnflüssig sein, damit das Papier anschließend nicht zu dick wird. Hier könnt ihr auch einfach noch Wasser nachgeben, wenn euch die Pulpe zu dick erscheint.
  4. Geht nun mit eurem Schöpfsieb senkrecht in das Wasser, fahrt schräg nach vorne, bis das gesamte Sieb mit Pulpe bedeckt ist. Nehmt das Sieb dann aus dem Wasser, ihr könnt hier das Sieb noch etwas hin- und herruckeln, wenn die Pulpe an manchen Stellen signifikant dicker ist als an anderen. Lasst einen Großteil des Wassers abtropfen und legt das Sieb dann auf ein Handtuch oder einen Lappen.
  5. Nehmt euch einen zweiten Lappen zur Hand und faltet diesen, sodass er etwas so breit wie die schmale Seite des Schöpfrahmens ist. Drückt nun mit diesem Lappen nach und nach von oben das Wasser aus der Pulpe im Sieb und zieht den Lappen vorsichtig wieder ab, bevor ihr euch das nächste Stück vornehmt.
  6. Nun kann das Papier im Sieb auf ein weiteres Handtuch gestürzt werden. Wenn es sich nicht direkt aus dem Rahmen lösen möchte, klopft es vorsichtig von den Ecken her aus dem Rahmen heraus.
  7. Einmal aus dem Sieb gelöst habe ich das Papier dann immer wieder mit neuen Lappen ausgepresst und trocknen lassen. Es kann je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur ein bis zwei Tage dauern, bis das Papier vollständig getrocknet ist.
  8. Als das Papier fast ganz trocken war, habe ich es noch mit je einem Handtuch zwischen jeder Lage unter einem Stapel Bücher flach gepresst.

Wer sich das Ganze nochmal als kurzes Video ansehen möchte, schaut gerne mal bei mir auf Instagram vorbei!

3. Und nun ein paar Tipps und Tricks zum Papierschöpfen…

  • Bereits erwähnt habe ich den Tipp, nur mattes und unbeschichtetes Papier zu benutzen. Das ist wirklich essentiell, sonst klappt es mit dem Papierschöpfen nicht! Das glänzende, beschichtete Papier kann das Wasser nicht so gut aufnehmen und weicht daher im Wasser nicht gut auf. Somit kann man es auch nicht gut schöpfen.
  • Vor jedem Schöpfvorgang wirbelt ihr die Pulpe in der Wanne auf, sodass sich das eingeweichte Papier gut verteilt und ihr ein möglichst ebenmäßiges Schöpfergebnis habt.
  • Verwendet zum Herauspressen des Wassers am besten Tücher oder Lappen ohne Struktur für ein möglichst glattes Ergebnis, sonst kann es sein, dass das Papier die jeweilige Struktur des Tuches annimmt. Ich habe hier z.B. sehr gerne Geschirrtücher verwendet.
  • Besonders schön finde ich meine Papiere, die ich mit Blattgold und Blütenblättern verziert habe. Diese gebt ihr schon direkt, wenn ihr die Pulpe mit dem Schöpfrahmen aus der Wanne holt, also vor dem ersten Pressen, auf die feuchte Pulpe (also kurz nach Schritt 4). Wenn ihr das Blattgold oder die Blüten verteilt habt, könnt ihr ganz normal mit Schritt 5 weitermachen. Die Verzierungen bleiben dabei in der Pulpe kleben.
  • Um die Papiere möglichst gut vom Wasser zu befreien und dieses herauszupressen, habe ich unter und über das nasse Stück Papier ein Geschirrtuch gelegt und bin dann mit dem Nudelholz mit leichtem Druck mehrmals auf dem Papier hin- und her gerollt. So presst ihr das Wasser aus dem Papier und es wird außerdem schön ebenmäßig.
  • Und zuletzt – ebenfalls schon kurz angesprochen – fand ich es sehr praktisch, das Papier in fast trockenem Zustand einzeln mit je einem Geschirrtuch dazwischen übereinander zu stapeln und dann mit mehreren Büchern oben darauf zu pressen. In diesem Zustand habe ich die Papiere eine Nacht lang belassen und somit wellige Ränder oder Unebenheiten eliminiert und schönes, glattes Papier erzeugt.

4. Weiterverarbeitung – Ideen für selbst geschöpftes Papier

Nun hat man also einige Blätter edelstes Papier, welches man auch gar nicht so zeitunaufwändig hergestellt hat. Vielleicht fragt ihr euch wie ich, wie ihr das Papier nun am besten weiterverarbeiten könnt. Daher möchte ich euch hier noch ein paar Ideen aufzeigen!

  • Schöne, individuelle Karten zum Geburtstag oder Weihnachten gestalten
  • Ein kleines Notizbuch binden
  • Geschenkanhänger ausschneiden
  • Bemalen und als Kunst als die Wand hängen
  • Einladungskarten oder Briefumschläge basteln
  • Lesezeichen gestalten

Welche Ideen habt ihr noch? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Ich möchte das Papier auf jeden Fall zu Klappkarten für Weihnachten verarbeiten. Ich werde mich auch definitiv am Bemalen und Belettern versuchen und bin schon sehr gespannt, wie das klappt!

Eure

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