Fotografie-Tipps Teil II: Setting und Bildbearbeitung

In diesem Beitrag geht es um Bildgestaltung, Setting, Bildbearbeitung und nützliche Apps – das hier ist Teil II meiner Fotografie Tipps. Falls du dich erst einmal mit den Kamera-Basics auseinandersetzen willst, dann lies erst einmal meinen Beitrag zum Kamerakauf, Kameraeinstellungen, Licht und Handyfotografie

Warum haben die Themen Setting und Bildbearbeitung einen eigenen Beitrag verdient? Weil die beiden fast noch wichtiger sind, als sich gut mit der Kamera auszukennen und zu wissen, wie man sie bedient. Denn die Fotografie-Fähigkeiten können noch so gut sein, wenn das Motiv nicht stimmt. Und selbst, wenn man sich nicht so gut mit einer Kamera auskennt, kann vieles durch Nachbearbeitung gerettet werden. Daher möchte ich euch heute zeigen, wie ich bei der Bildgestaltung vorgehe, wenn ich ein bestimmtes kleineres Objekt fotografieren möchte, was so meine Must-Haves bei der Setting-Gestaltung sind und wie ich Fotos anschließend mit Handy-Apps nachbearbeite. Ja – richtig gehört! Es geht auch ohne teure Programme für den Computer.

Bildgestaltung und Setting

Mal angenommen: die Sonne scheint draußen, das heißt die Lichtverhältnisse sind top und dein Wohnzimmer ist lichtdurchflutet. Heute ist der perfekte Tag für Fotos! Also los geht’s. Zuerst brauchst du für ein gutes Produktfoto einen Fotountergrund. Das kann ein Tisch, ein Teppich, ein Tuch oder eine Decke sein. Du kannst dir aber auch im Baumarkt eine Sperrholz-Platte holen und einfach beide Seiten verschieden gestalten – einfarbig bemalen, mit Folie bekleben, oder nach der Anleitung von Lisa vom Blog „Mein Feenstaub“ einen Beton-Fotountergrund selber machen.

Schöne Fotos mit toller Tiefenschärfe sollten meiner Meinung nach immer nach dem Prinzip Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund aufgebaut sein. Was in den Ebenen jeweils am besten platziert werden sollte, erkläre ich dir jetzt.

Fangen wir mit dem Mittelgrund an. In den Mittelgrund stellst du zuerst das Objekt, das du fotografieren möchtest und das daher im Fokus sein sollte.

Trage dann für den Hintergrund verschiedenste Objekte zusammen, die sich farblich und größenmäßig von deinem Hauptobjekt abheben. Besonders geeignet finde ich hier Vasen oder Pflanzen. Die Objekte sollten allerdings auch irgendwie zu deinem Hauptobjekt passen – in diesem Fall fotografiere ich ein Windlicht, daher kann ich im Hintergrund andere Deko-Objekte platzieren. Was ich auch immer schön finde, ist eine zweite Version deines Hauptobjekts  – sofern vorhanden -, die du auch etwas in den Hintergrund stellst. Oder das Material, mit dem du das Objekt zum Beispiel hergestellt hast – in diesem Falle hätte ich noch mit einer Garnspule dekorieren können.

Achte darauf, dass die Objekte im Hintergrund nicht alle auf einer Ebene stehen, sondern auch ein wenig versetzt sind, und dass aus dem Blickwinkel, aus dem du fotografieren möchtest, nichts, was direkt hinter dem Hauptobjekt steht, die gleiche Farbe wie das Hauptobjekt hat. Wenn ich das zweite Windlicht direkt hinter dem Windlicht im Fokus gestellt hätte, hätte sich dieses nicht mehr so richtig vom Hintergrund abgehoben.

Besonders schön finde ich im Hintergrund auch Trockenpflanzen, die Gräser habe ich einfach beim letzten Spaziergang mitgenommen und vom Eukalyptus habe ich mir mal einen Strauß gekauft und ihn trocknen lassen. Seither dient er mir auf ganz vielen Fotos als Deko. Und das allerwichtigste für den Hintergrund: die Lichterkette! Denn durch den Einsatz einer Lichterkette im Hintergrund entstehen bei großer Blende die schönen Lichtkreise des Bokeh-Effekts. Am besten ist dafür eine Lichterkette, deren Lämpchen nur an einem dünnen Draht befestigt sind, sodass dieser im Foto dann nicht zu sehr auffällt. 

Kommen wir zum Vordergrund. Ich persönlich finde es besonders schön, wenn auch im Vordergrund noch irgendein unscharfes und nicht zu aufdringliches Objekt ins Bild ragt. Dadurch kann eine Art Rahmung für das Hauptobjekt entstehen. Besonders gut geeignet sind dafür auch Pflanzen oder eine Lichterkette. 

Alle Ebenen sollten weit genug auseinander sein, dass Vordergrund und Hintergrund beim Fotografieren wirklich unscharf sind, und nur das Objekt im Mittelgrund scharf ist. Je nach Objektiv kann das ganz unterschiedlich sein. Wenn dein Objektiv die Blende weiter öffnen kann (z.B. F1,8 wie in meinem Fall), dann muss der Abstand zwischen den Ebenen nicht sooo groß sein. 

Nun gilt es nur noch den richtigen Winkel für das Foto zu finden. Solche „Produktfotos“ wie dieses fotografiere ich meistens frontal leicht von oben kommend. Hier muss man allerdings auch ein wenig ausprobieren, von wo das Objekt am besten aussieht, und wo es sich am besten vom Hintergrund abhebt. Ganz wichtig: das Setting sollte man auch während des Fotografierens immer mal wieder anpassen und schauen, was auf dem  Foto besser wirkt. Und dann heißt es, ganz viel üben! Irgendwann entwickelt man einen ganz guten Blick dafür, wohin was auf welcher Ebene gestellt werden muss, was gut aussieht und wie man es fotografieren sollte.

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Bildbearbeitung

Die richtige Nachbearbeitung kann echt so manches Foto retten. Und gute Fotos noch besser machen. Wenn ich Fotos gemacht habe, ziehe ich sie von der Kamera auf meinen Laptop und sortiere dort bereits einen Großteil der Fotos aus. Am liebsten ist es mir, wenn dann nur noch ein bis drei gute Fotos übrig bleiben, am besten aus verschiedenen Perspektiven. Diese lade ich dann auf mein Handy.

Seit längerer Zeit nutze ich nun schon die Adobe Lightroom-App zur Bildbearbeitung.  (Werbung unbeauftragt) Davon gibt es eine kostenlose Version, die auch bereits sehr gut ist und mit der man eigentlich so gut wie alle wichtigen Werte einstellen kann. Mittlerweile habe ich mir das Premium-Abo der App geholt, denn die fünf Euro im Monat waren es mir echt wert. Im Premium-Abo wird nämlich u.a. eine Funktion freigeschaltet, mit der man selektive Bereiche einzeln nachbearbeiten kann. Für den Anfang reicht aber die kostenlose Version vollkommen.

Lade das Foto in der App hoch und beginne zuerst damit, das Foto eventuell zuzuschneiden und auszurichten., d.h. dass horizontale und vertikale Linien im Bild parallel zum Bildrand sind. Bei meinem Bild habe ich die vertikale Mittelachse des Glases als Ausgangspunkt für die Ausrichtung genommen.

Welche Werte sind für dich relevant?

Licht

  • Belichtung – zum Aufhellen des Fotos den Regler so weit nach rechts schieben, bis das Foto kurz vor der Überbelichtung ist. Das mag im ersten Moment zu krass aussehen, kann aber durch weitere Einstellungen ausgeglichen werden.
  • Lichter – hier kommt der versprochene Ausgleich für fast überbelichtete Stellen. Ziehe den Regler nach links, bis zu helle Stellen wieder normal aussehen.
  • Tiefen – damit kannst du vor allem dunklere Bereiche im Hintergrund aufhellen, indem du den Regler nach rechts schiebst.
  • Weiß – benötigt man nicht häufig, aber dieser Regler hellt bereits helle Bereiche auf.
  • Kontrast – würde ich auch selten nutzen, und wenn dann nur in geringem Maße.
  • Schwarz – nutze ich nicht.

Farbe

  • Temperatur – damit kannst du gelb- oder blaustichige Fotos korrigieren. Oft kommen auch Farben besser raus, wenn du den Temperaturregler nur ein wenig in die gelbe Richtung schiebst.
  • Tönung – würde ich sein lassen.
  • Dynamik, Sättigung – nutze ich auch kaum, da dann die Farben oft zu aufdringlich werden.
  • Farbmix – den Farbmix nutze ich viel lieber, als Dynamik und Sättigung. Hier kann man nämlich die Farbwerte einzelner Farben getrennt voneinander einstellen. Dadurch kann man besonders gut (besser als mit der Temperatur) auch Gelb- oder Blaustiche perfekt entfernen und einfach bestimmte Farben das Bild dominieren lassen und andere eher entsättigen. Mit der Funktion kann man ein wenig spielen und es lohnt sich wirklich, sie auszuprobieren! 

Effekte

  • Klarheit – verstärkt den Unterschied von hellen und dunkleren Farbbereichen, dadurch wird das Bild deutlicher. Ich nutze diese Einstellung gerne in kleinen Mengen.
  • Dehaze – AUF JEDEN FALL DIE FINGER DAVON LASSEN! Dehaze sieht immer total unnatürlich aus und ist einfach too much. Probiert es aus, und ihr wisst, was ich meine.
  • Vignette – manchmal sind die Bildränder und -ecken etwas dunkler. Dann ist das Vignette-Tool genau das Richtige. Wenn man den Regler nur ein ganz kleines Stück nach rechts schiebt, kann man dunklere Ränder perfekt ausgleichen und das Bild insgesamt ein wenig heller erscheinen lassen.
  • Textur, Mittelpunkt, Weiche Kante, Rundheit, Körnung – nutze ich nie.

Details

  • Schärfen – Schärfe, ja bitte! Die Schärfe kann man gerne ordentlich nach oben stellen.
  • Radius, Details, Maskieren – nutze ich nicht.
  • Rauschreduzierung, Farbrauschreduzierung – ist manchmal nützlich, wenn man ein dunkles Bild aufhellt und es dadurch Körnig wird. Die Rauschreduzierung gleicht diese Körnung aus.

Im Video zeige ich euch, wie ich die einzelnen Einstellungen auf das Foto anwende. Zudem widmet sich der letzte Teil des Videos der selektiven Bearbeitung, die bei einem Premium-Abo der App inbegriffen ist.

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Nützliche Apps & Tools

Die im Folgenden aufgeführten Apps nutze ich persönlich und ich wurde nicht von den Unternehmen bezahlt, euch diese zu empfehlen!

Adobe Lightroom

Über diese App habe ich jetzt schon viel erzählt und sie ist wirklich meine wichtigste Bearbeitungs-App. Was ich bisher noch nicht erwähnt habe: die App hat auch einen Kameramodus, bei dem man die Einstellung einer Kamera wie Belichtung oder Blende auch auf dem Handy treffen kann. Zudem erstellt die Kamerafunktion Fotos im RAW-Modus und mit der App kann man dementsprechend auch RAW-Bilder bearbeiten. In der Lightroom-App kann man ganz einfach die Bearbeitung eines Fotos kopieren und auf anderen Fotos einfügen. Das spart echt viel Zeit!

Kostenpunkt für Premium-Abo: 4,99€ im Monat. 

Photoshop Express

Die App hat letztlich die gleichen Bearbeitungsoptionen wie Lightroom. Hier finde ich auch das Transformations-Tool manchmal ganz hilfreich. Zudem gibt es hier ganz viele Voreinstellungen, die ich persönlich allerdings nicht allzu gut finde. Man kann sich aber auch eigene Bearbeitungs-Looks abspeichern und auf Fotos einfügen. In der App kann man außerdem Text auf Bildern einfügen, wozu es verschiedene Voreinstellungen und viele Auswahlmöglichkeiten bei den Schriftarten, Farben etc. gibt. Auch hier ist die kostenlose Version schon echt hilfreich. Ich bevorzuge zum Bearbeiten dennoch Lightroom.

Kostenpunkt für Premium-Abo: 5,49€ im Monat.

PicsArt

PicsArt ist eine App, die meiner Einschätzung nach eher zur künstlerischen Bearbeitung von Fotos dient. Ich habe die App sehr lange genutzt, bevor ich mir Lightroom geholt habe. Belichtung, Farbe etc. kann man hier nicht so präzise einstellen, dafür gibt es ganz viele andere Tools, wie selektive Bereichsauswahl, Stempel-Tools, Verformung. Wenn ich also ein Bild „photoshoppen“ will, im Sinne von wirklich grundlegend verändern, Bereiche entfernen, einfärben etc., nutze ich diese App. Zudem gibt es bei dieser App echt schöne Filter und auch ganz witzige Tools, um Gesichter zu verschönern (z.B. Falten entfernen, Zähne aufhellen, Makelkorrektur etc.). In dieser App gibt es also ganz viele Spielereien, wenn man seine Fotos außergewöhnlich und künstlerisch bearbeiten will. Ich habe auch hier ein Premium-Abo, das mich 35,99€ im Jahr kostet. Da gibt es aber ganz viele verschiedene Premium-Auswahlmöglichkeiten. In der kostenlosen Funktion hat mich die Werbung extrem genervt.

Inpreview

Die App finde ich perfekt, um meinen Instagram-Feed vorzuplanen. Ich nutze sie noch nicht sehr lange, aber ich finde die App wirklich nützlich! Man verbindet sie mit dem eigenen Instagram-Account und kann dann dem Feed in der App neue Fotos hinzufügen und so planen, wie der Feed aussehen soll. Das ist wirklich praktisch, denn vorher war es bei mir oft so, dass ich ein Foto hochgeladen habe und dann erst gemerkt habe, dass es eigentlich nicht besonders gut in den Feed passt. Mit Inpreview sehe ich gleich, wenn etwas bei der Farbgebung oder Belichtung nicht ganz zu den anderen Fotos passt und es dann vor dem Hochladen auf Instagram ausbessern. Ich nutze die App in der kostenlosen Funktion. Man kann dort auch bereits Texte zu den einzelnen Fotos verfassen und diese dann in Instagram kopieren. Allerdings nervt die Werbung in der App schon ein wenig.

Canva

Sorry InDesign, aber Canva ist echt viel einfacher zu bedienen als du! Canva ist eine App und kann am Computer auch online genutzt werden (die Browser-Version finde ich übersichtlicher als die App), mit der man vom der Instagram-Story über Logos, Poster, Flyer, Collagen, Visitenkarten bis hin zu Präsentationen alles erstellen kann. Für jedes Format gibt es wunderschöne Vorlagen und auch selbst eine Grafik oder ein Plakat zu erstellen geht hier wirklich einfach. Es gibt viele schöne Schriftarten, Illustrationen, Formen, Sticker, man kann eigene Fotos und PNGs hochladen. Für alles Grafische nutze ich nur diese App und bin echt begeistert, wie einfach man dort zu tollen Designs gelangen kann. In der kostenlosen Version kann man eigentlich relativ uneingeschränkt alles nutzen, die Premium-Version beinhaltet vor allem noch mehr Schriftarten, Illustrationen und Stock-Bilder. Wenn dir deine Instragram-Stories oder dein Facebook-Header also zu langweilig sind, schau dir unbedingt mal die App an!

Hier geht’s zu Canva!

 

Sooo… da kam ja schon wieder einiges zusammen! Ich bin am Ende meiner Fotografie-Tipps Teil II zum Thema Setting und Bildbearbeitung angelangt. Wie immer erhebt dieser Blogbeitrag keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ich habe euch einfach aus persönlicher, subjektiver Sicht berichtet, was ich nutze und wie ich meine Fotos gestalte und nachbearbeite. Ich hoffe, ich konnte euch damit inspirieren, euch auch in die Bildbearbeitung einzuarbeiten, denn ich verspreche euch: es macht mit etwas Übung genauso viel Spaß, wie das Fotografieren selbst, wenn man merkt, was man damit aus den Fotos herausholen kann!

In diesem Sinne viel Freude beim Ausprobieren aller Tipps!

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